Was bedeutet eigentlich BIO?


BIO-Produkte - man sieht sie überall, im Feinkostgeschäft, aber auch beim Discounter. Aber was ist so besonderes daran?
Gleich vorweg, BIO bedeutet nicht immer gesund und leider auch nicht zwingend umweltschonend. Bio-Schokolade ist auch nicht gesünder und geht genauso auf die Hüften wie konventionelle Schokolade und eine konventionell produzierte Tomate vom Bauern am Ort kann genau so umweltfreundlich sein, wie die BIO-Tomate aus Spanien, und schmeckt vielleicht noch besser.


Haben dann BIO-Produkte weniger Schadstoffe?
Auch das ist nicht zwingend so. Auch konventionell produzierte Produkte werden streng kontrolliert und unterliegen gesetzlichen Grenzwerten, was Pestizide oder andere schädliche Inhaltsstoffe betrifft.


Was soll das also mit diesem BIO, alles nur Beutelschneiderei?
Mitnichten! Der BIO-Gedanke verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, hier soll nachhaltig produziert werden. So wird z.B. auf Düngemittel und Pestizide weitestgehend verzichtet, was und wieviel eingesetzt werden darf, wird streng kontrolliert. Damit kommen erst gar keine schädlichen Stoffe in das Produkt und müssen von den Pflanzen bis zur Ernte auch nicht abgebaut werden, abgesehen von den Nützlingen, die dadurch überleben.
Der Flächenverbrauch wird begrenzt und Monokulturen vermieden, es werden wieder Pflanzen gezüchtet, die robust sind und Schädlingen etwas entgegenzusetzen haben. Darüberhinaus werden lange Transportwege möglichst vermieden.

Damit erklären sich auch die teilweise höheren Preise. Pflanzen, bei deren Züchtung auf Widerstandsfähigkeit Wert gelegt
wurde, haben einfach weniger oder kleinere Früchte. Wird dann noch auf Dünger und Pestizide verzichtet, bleibt dem
Bauern bei größerem Arbeitsaufwand am Ende weniger Ertrag. Häufig kommt noch hinzu, dass die Nachfrage das Angebot
deutlich übersteigt. Um überhaupt Ware zu bekommen, greifen Händler tiefer in die Taschen.
Viele Bio-Produkte sind aber mittlerweile auf dem Preisniveau der konventionell produzierten Waren angekommen.


Wird das kontrolliert?
Die Zertifizierungsstellen überwachen den kompletten Weg, von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zum Verbraucher. Wir dokumentieren z.B. exakt, welche BIO-Produkte eingekauft wurden, wo die Mengen herkommen, wann sie abgefüllt und verpackt wurden und an wen die fertigen Packungen versendet wurden. Anhand der Chargennummer auf den Gebinden lässt sich der Weg des Produktes zurückverfolgen, bis hin zum Bauern, der den Samen in die Erde gelegt hat.
Dabei wird nicht nur überwacht, wo die Ware produziert wurde, sondern auch welche Mengen produziert wurden. Darüberhinaus werden sämtliche Produktionsschritte und die, bei der Produktion eingesetzten, Hilfsmittel  genau kontrolliert. Durch diese Maßnahmen wird sichergestellt, dass keine konventionell produzierten Produkte mit der Ware aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) vermischt werden. Auch in der Verarbeitung der Produkte dürfen ausschließlich Waren aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet werden. Das heißt, dass in der BIO-Marmelade natürlich BIO-Früchte verarbeitet sind, aber auch der Zucker und alle anderen Stoffe, wie Konsistenzgeber und Konservierungsmittel aus kbA stammen müssen. Um hier eine Ausnahme für eine Rezeptur zu erhalten, müssen viele Hürden genommen werden, so muß man z.B. nachweisen, dass die betroffene Zutat für das Gelingen der Rezeptur zwingend erforderlich ist und dass diese Zutat sowie eventuelle Alternativen nicht als BIO-Produkt erhältlich ist.

Was erlaubt ist und wann Ausnahmen zulässig sind, ist in der EG-Öko-Verordnung geregelt. Wer sich hier weiter Informieren möchte, kann das bei der Öko-Kontrollstelle, die uns überwacht, tun: Verordnungen und Richtlinien

Unternehmen können die Öko-Kontrollstellen frei wählen. Es gibt in Deutschland zur Zeit 16 Kontrollstellen. Welche Öko-Kontrolle das Unternehmen überwacht, geht aus der Nummer unter dem EU-Biologo hervor, bei uns ist das z.B DE-ÖKO-005, das IMO Institut für Marktökologie GmbH (www.imo.ch).


Wieso gibt es verschiedene Zertifikate?
Dem aufmerksamen Leser wird sicher aufgefallen sein, dass wir zwei Zertifikate haben. Zum einen das BIO-Zertifikat für Lebensmittel und zum anderen ein analoges Zertifikat. Hier kommt zum Tragen, dass die EU-Richtlinie ausschließlich für die Produktion von Lebensmitteln gilt. Das EU-Biologo, das stilisierte Blatt aus weißen Sternen auf grünem Grund, ist also nur für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau zulässig. Wer Bio-Produkte, die keine Lebensmittel sind, verkaufen möchte, kann diese analog zertifizieren lassen. In diesem Fall werden die Lebensmittelrichtlinien auch auf diese Produkte angewendet. Nur die Kennzeichnung darf dann nicht mit dem EU-Biologo erfolgen. Diese Regelung erlaubt es z.B., die Zutaten und Produktionsschritte für Kosmetik zu überwachen und somit Bio-Kosmetik herzustellen, die genau so intensiv kontrolliert wird wie die Bio-Lebensmittelproduktion.


BIO oder Konventionell?
Ob man BIO kauft oder nicht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, die konventionellen Tomaten vom Wochenmarkt kann man getrost den BIO-Tomaten aus Spanien vorziehen, denn alle Nachhaltigkeit wird durch 1000 km Transport ad absurdum geführt. Wer allerdings die Wahl hat zwischen regionalen Produkten aus konventionellem oder aus kontrolliert biologischem Anbau, tut sich und seiner Umwelt mit den BIO-Produkten einen Gefallen, nicht, weil das Produkt zwingend gesünder ist, sondern weil bei der Produktion weniger Resourcen verbraucht und die Umwelt weniger belastet wurde.